にほん の ブログ

16.09.2009 um 17:35 Uhr

Natto-Bohnen oder das Marmite der Japaner

こにちわ!

Gestern mussten ich und ein paar andere Studenten vom gleichen Austauschprogramm in die Innenstadt Kyotos um uns offiziell als "Alien" anzumelden (was unglaublich unspektakulär war, weil der einzige Unterschied zum Bürgerbüro in Freiburg darin bestand, dass alle Bearbeitungsbereiche mit dem schönen Farbspektrum von blasslila bis hellrosa "colourcoded" waren). Nachdem wir von unseren japanischen "Buddies" wieder sicher zur Uni zurückgebracht geworden waren fragte uns Mao (eine japanische Studentin, die sich ein Zubrot als Buddie, d.h. Austauschstudentenbabysitterin verdient), ob wir nicht Lust hätten, in eine nahgelegene Sushibar zu gehen. Da fast alle, inklusive mir, den ganzen Tag über noch nichts gegessen hatten, gab es darüber überhaupt keine Diskussion.

Minuten später saßen wir in einem riesigen Sushirestaurant, mit Sushi-Laufbahn, Bestellcomputer am Tisch, viel Wasabi und allem was sonst noch dazu gehört. Zielsicher habe ich mir als erstes schon das beste Sushi des Abends genommen. Prinzipiell bestand es tatsächlich nur aus sehr klein geschnittenen Lachs, kaltem Reis und Algen, doch manchmal ist das Beste eben simpel. Mao hat uns kompetent beraten, was man essen sollte (und was nicht) und bei umgerechnet 78 Cent pro Tellerchen hat sich nur ein Schwede, welcher uns gestand, dass er nur im Ofen zubereiteten Fisch isst, zurückgehalten. Alles war also perfekt, bis Mao mir als absolute Spezialität Japans ein Natto-Bohnen-Sushi vorschlug.

Natto-Bohnen sind vergorene Sojabohnen. Nach der Gärung mit einer bestimmten Bakterienkultur (ähnlich wie Käse) werden die ursprünglich weißen Sojabohnen langsam braun und bekommen ihren typischen schleimigen Mantel. Am Ende der Prozedur sind sie so klebrig und schleimig, dass sie Fäden ziehen, und kaum noch mit Stäbchen zu greifen sind, und riechen nach einer Mischung von Münsterkäse, verschimmeltem Reis und Sojamilch. das interessanteste an diesem Gericht ist aber, dass sie die, sonst so viel Wert auf Einheit legende Gesellschaft Japans von Grund auf spalten. Während die einen nämlich, wie Mao, Natto-Bohnen über alles lieben und sie jeden morgen zum Frühstück essen, möchten sie die anderen am liebsten gar nicht erst in der Supermarktauslage sehen müssen. Was Marmite für Briten ist, sind Natto-Bohnen für Japaner. Das Problem an der Sache ist nur, dass mir Mao erklärt hat, dass die meisten Japaner einen Ausländer erst als integriert ansehen, wenn er Natto-Bohnen "essen kann".

So gesehen blieb mir gar keine große Wahl und ich bestellte mir diese einzigartige Köstlichkeit. 12 Augen starrten mich an, als ich, auf das Schlimmste gefasst, das erste Stück probierte. Ich nahm das Natto-Sushi in den Mund, schmeckte Reis (so weit so gut), Alge (auch nichts spektakuläres) und dann die Bohnen. Von der Textur würde ich sie als in Schneckenschleim getauchte gekochte Bohnen beschreiben, was auch nicht leckerer ist, wenn man weiß, dass es das nicht ist. Geschmeckt haben sie, als hätte man einen Klumpen frische Hefe zerkleinert und in Blauschimmel gewälzt, es hätte also besser sein können aber ein klein bisschen Platz nach unten war trotzdem noch drin.

Mein Urteil: Ich glaube manchmal ist es mir lieber, nie als integriert zu gelten als jeden Tag Hefeschneckenstückchen essen zu müssen. Zumindest schmecken sie sehr gesund, was ich auch den 12 fragenden Blicken sagte, um weiteren Nachforschungen entgehen zu können. Auf jeden Fall habe ich es probiert, wer weiß, vielleicht lerne ich sie in einem Jahr ja doch noch zu schätzen, Marmite esse ich zumindest mittlerweile ganz gern obwohl es mir beim ersten Mal auch nicht geschmeckt hat...

Bis dann!

アンネ

P.S.: Tut mir leid, dass ich kein Bild davon habe, ich habe gestern meine Kamera vergessen... das nächste mal kommt eins, versprochen!